Esther‘s Blog: Positive Verän­der­ungen liegen in der Luft


29 September 2020

Der Historiker Philipp Blom sagte bereits: „Wir stehen an einem Wendepunkt: Es kann in beide Richtungen gehen. Wir stecken in einem Wirtschaftsmodell fest, das nicht lange gutgehen kann. Entweder es endet in einer Katastrophe, mit neuen Pandemien, Kriegen über den Zugang zu Hilfsmitteln, die Liste ist lang, oder wir gehen einen anderen Weg. Aber eine Wende wird es geben. Das steht fest.“

Die Zeichen einer Wende lassen sich überall beobachten. Bürger fordern ihre Regierungen vehement dazu auf, die soziale Gerechtigkeitskrise, die Klimakrise, die Biodiversitätskrise und die Gesundheitskrise vernünftig anzugehen. Letzten Freitag waren, an mindestens 3100 (!) Orten auf der Welt, wieder Menschen an Klimaprotesten beteiligt. Junge Menschen fordern Taten. Taten, nicht nur für ihre Zukunft, sondern auch für eine lebenswerte Gegenwart. In Ländern wie Vanuatu, den Philippinen, Indien und Kambodscha sind die Folgen der Klima- und Biodiversitätskrise nämlich bereits jetzt zu spüren.

Junge Menschen aus der ganzen Welt fordern Taten gegen die Zerstörung unseres Klimas, unserer Natur und Umwelt. Auf dem Foto sind junge Menschen aus Vanuatu, den Philippinen, Indien und Kambodscha zu sehen. Sie werden tagtäglich mit „natürlichen“ Katastrophen konfrontiert. Fotos von der Plattform Mondiaal Nieuws.

Mut sich vom alten System zu trennen
Veränderungen liegen in der Luft. Aber, wie der Wirtschaftswissenschaftler Keynes bereits sagte: Die Schwierigkeiten liegen nicht so sehr in der Entwicklung neuer Ideen, sondern im loslassen von den alten. Loslassen der alten Reflexe der Regierungen und vielen Politikern, die sich immer wieder für mehr Geld und die Interessen der verschmutzenden Industrien entscheiden, anstatt für eine lebenswerte Welt und die wirklichen Interessen der Bürger.

Jetzt ist die Zeit für Regierungen gekommen, alte Reflexe loszulassen und sich hinter die Bürgern zu stellen. Zu tun, wofür wir die Regierungen bezahlen: um das wichtigste zu schützen was wir haben, nämlich unsere Gesundheit und unseren Lebensraum. Lösungen gibt es genug. Wir brauchen nur mehr Politiker mit Mut. Das bedeutet auch, Entscheidungen zu treffen. Man kann als Regierung nicht behaupten, eine nachhaltige und gesunde Gesellschaft zu wollen, aber letzten Endes den krankmachenden Lebensmittelgiganten alle Freiheit geben und Milliarden Euros in die fossile Industrie, die Luftfahrt und die Viehwirtschaft zu pumpen.

Diesen Monat hat die niederländische Regierung ihren Haushaltsplan und ihr Budget für das kommende Jahr vorgestellt. Sie geht mit ihrem Haushalt doch wieder in Richtung der Katastrophen und nicht in Richtung einer gesunder Gesellschaft. Ein alter Reflex. Wir nutzten das politische Podium dafür, alle wach zu rütteln. Mit Worten und unserer Kleidung.

Dieses Jahr trug ich deshalb einen Anzug aus nachhaltigem Bambusstoff. Auf dem Rücken meines Anzuges stand: „Wendepunkt, aber nicht zurück“. Denn die Krisen dieser Zeit sind ein Wendepunkt, es soll aber nicht zurück gehen zu business as usual. Unsere Botschaft lautete: lasst uns nicht zurückkehren zu den alten Reflexen, sondern unsere Wirtschaft so einrichten, dass sie das Wohlbefinden unseres gesamten Planeten, aller Menschen und Tieren verstärkt.

Der Anzug von Esther, designt von Mediha Kaplan, von „Kaplan bespoke tailors for women“. Foto von Thomas Slijper.

Durchhalten lohnt
Die Partei für die Tiere und unsere Schwesterparteien sind die treibende Kraft positiver Veränderungen auf der politischen Arena. Konsequent fordern wir andere Politiker dazu auf, alte, fossile Systeme loszulassen. Mit Erfolg.

Ein politischer Kommentator beschrieb vor kurzem gut, was die Partei für die Tiere macht: „Die Partei für die Tiere ist gegründet worden, um die politische Debatte zu verschieben. Sie führten ein, dass es in der Politik nicht allein um „Angelegenheiten des Menschen“ sondern auch um die „Angelegenheiten der Tiere“ geht. Am Anfang wurden sie belächelt, aber jetzt sieht man, dass die Partei einen Paradigmenwechsel vollzogen hat: einen nicht akzeptierten Standpunkt, akzeptabel gemacht.“

Genau so ist es. Unsere Botschaft lautete immer: Wohlergehen von Menschen, Tieren und Welt, über Moneten. Dank unseres Einsatzes, erkennen jetzt immer mehr Politiker, dass die Viehwirtschaft ein Problem ist, welches so schnell wie möglich verschwinden muss. Auch wird der Zusammenhang erkannt, zwischen Krankheiten wie Corona und der falschen Art und Weise, wie wir mit Tieren umgehen. Wir haben schon immer auf die Vernichtung der Natur und der Menschen- und Tierrechtsschändungen, die mit vielen Freihandelsabkommen gepaart gehen, hingewiesen. Lange Zeit waren wir die einzigen, aber mittlerweile gibt es in den Niederlanden keine Mehrheit mehr für solche Verträge. Der nächste Freihandelsvertrag (der Mercosur Deal), mit Ländern wie Brasilien, wurde mit Leitung der Partei für die Tiere vom Tisch gefegt.

Auch die Idee, dass unendliches Wirtschaftswachstum nicht die Lösungen ist, sonder das Problem, beginnt vielen zu dämmern. Immer mehr Politiker sehen ein, dass wir den Fokus auf wirtschaftliches Wachsen loslassen müssen. Dass wir unser Augenmerk auf eine gesunde Wirtschaft, die ökologische Grenzen nicht überschreitet und die die Gesundheit von Mensch, Tier und Natur stärkt, richten müssen.

Das Blatt wendet sich und durchhalten lohnt sich.

Unsere Bewegung wächst!

Esther mit den Gründern der neuen moldawischen politischen Partei für die Tiere (PONA).

Dass der Widerstand gegen die alten Reflexe wächst, ist in den letzten Wochen in der Politik deutlich geworden. In meinem letzten Blog sprach ich von den Durchbrüchen unserer dänischen und griechischen Schwesterparteien. Jetzt hat unsere italienische Schwesterpartei Partito Animalista Italiano für einen Durchbruch gesorgt, indem sie einen Sitz im Parlament der Region Kampanien erobern konnte. Ein Unikum in der italienischen Geschichte! Unsere Europaparlamentarierin Anja Hazekamp hat vor den Wahlen mit einer Videobotschaft ihrer Unterstützung für die italienische Schwesterpartei Ausdruck verliehen.

Außerdem wurde eine neue politische Partei für die Tiere gegründet, dieses Mal in Moldawien! Diese neue Partei heißt PONA („Menschen, Natur und Tiere“) und ist, nach jahrelangem Streit gegen unfaire elektorale Regeln, endlich als offizielle politische Partei anerkannt worden. Letzte Woche hat der höchste Richter in Moldawien darüber entschieden. Fantastische Neuigkeiten für die vielen Menschen in Moldawien, die eine gesunde Zukunft wollen, für Menschen und Tiere! 2018 durfte ich die wunderbaren Menschen hinter PONA kennenlernen. Ich bewundere sie sehr für ihr Durchsetzungsvermögen.

Gemeinsam werden wir uns gegen jeden, der Tieren, Natur und der Umwelt im Weg steht zur Wehr setzen. Gemeinsam sorgen wir für eine Kursänderung. In die richtige Richtung.

Kümmert euch umeinander und bleibt in Aktion treten!

Bis zum nächsten Mal,

Esther Ouwehand
(Fraktionsvorsitzende der Partei für die Tiere)