Die lokale molda­wische Regierung verspricht nach Besuch der nieder­län­dische Parla­men­ta­rierin Esther Ouwehand eine bessere Tier­schutz­po­litik für den lokalen Tier­schutz


3 Oktober 2018

Am vergangenen Wochenende wurde zum ersten Mal in der Geschichte Moldawiens ein Vortrag über die Bedeutung der Tierrechte gehalten. Esther Ouwehand, niederländische Abgeordnete für die Partei für die Tiere, hielt den Vortrag an einer Universität in Chişinău vor einem vollbesetzten Vortragssaal. Ouwehand sprach danach mit lokalen Tierschützern und Experten auf dem Gebiet der ökologischen Landwirtschaft. Von der Gemeinde Chişinău erhielt Ouwehand das Versprechen, dass bald ein professionelles Zentrum für Sterilisation und Impfung von streunenden Tieren eröffnet wird.

Der Vortrag fand auf Einladung des Tierrechtlers Ion Dron statt. Esther Ouwehand hat in ihrem Vortrag gezeigt, dass das Engagement für das Wohlergehen von Tieren auch eine Verpflichtung gegenüber den Menschen ist. Sie wies auf die Notwendigkeit einer Gesellschaft hin, die mehr mit der Natur verbunden und von Mitgefühl geprägt ist.

Nach dem Vortrag sprach Ouwehand mit verschiedenen Tierschützern, die auf einen Mangel an Gesetzen und Vorschriften zum Schutz von Tieren in Moldawien hinwiesen. Rechtsanwalt Dron hat in Zusammenarbeit mit einer moldauischen NGO einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der einen angemessenen Tierschutz in das Gesetz einbetten soll. Tierschützer kämpfen nun gemeinsam dafür, dass dieses Gesetz vom moldawischen Parlament verabschiedet wird.

Ouwehand war beeindruckt von den vielen mutigen Menschen in Moldawien, die es wagen, sich für die Interessen der Tiere einzusetzen. Und das tun sie erfolgreich: Dank Protesten von Tierschützern wurde das Delphinarium von Chişinău geschlossen. Der erste Schritt gegen Tierquälerei ist unternommen, indem die Grausamkeit gegen Tiere im Strafgesetzbuch unter Strafe gestellt wurde.

Ouwehand: „Sich einzusetzen für die Interessen der Verletzlichen anstelle für das Rechts des Stärkeren kann auch nah am Heimatort. Der grausame Umgang mit (streunenden) Tieren gehört nicht in ein zivilisiertes Land. Und wir freuen uns sehr, dass hier in Moldawien mutige Menschen für die Interessen der Tiere und damit für das moldawische Volk selbst eintreten. Großartig! “

Landwirtschaft

Ouwehand lobte die Tatsache, dass Moldawien in der Region relativ gut im Bereich des ökologischen Ackerbaus arbeitet, indem nahrhafte Kulturen wie Walnüsse, Obst, Bohnen und Sonnenblumenkerne angebaut werden. Sie warnte jedoch vor der wachsenden Lobby ausländischer Unternehmen, die industrielle Viehzucht in Moldawien ausbauen wollen. Jetzt, da die westliche Rinderindustrie in einer Krise steckt und die Menschen im Westen immer weniger tolerieren, dass die Industrie ihre Umwelt zerstört, sieht die Industrie Möglichkeiten, ihre umweltschädlichen Praktiken nach Osteuropa zu verlagern.

Ouwehand: „Moldawien besitzt alles für eine Ernährung der Zukunft: fruchtbare Böden und eine große Vielfalt an Nutzpflanzen, die eine natürliche Resistenz gegen Insekten und Schädlinge ermöglichen. Eine Landwirtschaft ohne Überdüngung und landwirtschaftliches Gift, mit vielen pflanzlichen Proteinen für den menschlichen Verzehr: Das braucht Europa. Wir hoffen, dass Moldawien nicht die gleichen Fehler begeht wie der Westen und sich gegen den Import von Rinderzuchtpraktiken aus dem Westen wendet, welche eine Katastrophe für die moldawische Natur, Umwelt, Mensch und Tier bedeuten würde. ”

Kommunalpolitik

Die moldauischen Tierschützer erklärten, dass die lokalen Regierungen wenig für das Wohlergehen der Tiere tun und sich sogar aktiv an einer grausamen Herangehensweise an streunende Tiere beteiligen, indem sie unter anderem so genannte „Tötungsstationen“ ermöglichen. Deshalb sprach Ouwehand zusammen mit den Tierschützern mit dem politischen Berater des Bürgermeisters von Chişinău.

Die Gemeinde erkennt an, dass es im Bereich der Tierschutzpolitik noch viel zu verbessern gibt. Dann versprach der Berater des Bürgermeisters, dass die Gemeinde baldigst eine tierfreundlichere Streunertierpolitik einführen werde. Der erste Schritt dahin ist die Eröffnung eines professionellen Zentrums für die Sterilisation von streunenden Hunden, in dem 50 Hunde aufgenommen und nach europäischen Richtlinien behandelt werden können. Die Gemeinde versprach auch, dass die Autos, in denen die streunenden Tiere transportiert werden, vor der Eröffnung des Zentrums tierfreundlich eingerichtet werden, indem sie unter anderem mit guten Käfigen und einem Belüftungssystem ausgestattet werden. Ouwehand ließ den Berater des Bürgermeisters wissen, dass sie den Prozess mit Hilfe der lokalen Tierorganisationen weiter verfolgen wird.

Tierrechtsanwalt Dron betonte beim Treffen mit der Gemeindeverwaltung erneut, warum eine gute Tierschutzpolitik notwendig ist: „Tierschutz ist nicht nur für die Tiere, sondern auch für die gesamte Gesellschaft wichtig. Eine schlechte Tierschutzpolitik schädigt unsere Gesellschaft als Ganzes. „