Weltlog Woche 22 – 2012


29 maggio 2012

In der vergangenen Woche wurde in der zweiten Kammer des Parlaments die Verantwortungsdebatte geführt. In dieser Debatte, die jährlich in der dritten Maiwoche gehalten wird, wird das vergangene Parlamentsjahr besprochen. Weil aber das Kabinett Rutte gefallen ist, ging es in dieser Debatte nicht um die Politik Ruttes, sondern um die angekündigten Sparmassnahmen aus dem Kunduz-Abkommen. Ausserdem wurde die Debatte von den Entwicklungen in Europa, einschliesslich des ESM-Vertrags, überschattet. (Mehr zum Kundus-Abkommen und dem ESM-Vertag in meinem Worldlog der letzten Woche.)

Es folgt ein kurzer Auszug aus meinem Beitrag:

Diese Debatte kommt zu einer Zeit in der immer mehr Menschen Unsicherheit verspüren. Sicherheiten fallen weg. Das Vertrauen in die Bank, die Währung, ihre Arbeit, ihre Hypothek, ihre Zukunft: dieses Vertrauen gerät ins wanken. Sie sind sich nicht mehr so sicher, dass all die schönen Versprechungen, über das Zusammenfügen der politischen Agenda von siebzehn verschiedenen Ländern, Wachstum und Wohlstand auf beispielloses Niveau steigen lassen werden. Das muss uns allen sehr bewusst werden. Das Vertrauen der Bürger in ihre Abgeordneten ist am Boden. Der Kurs muss drastisch geändert werden um dieses Vertrauen zurück zu gewinnen.

Sehr oft wird hier gesagt, dass wir die Rechnung nicht unseren Kindern überlassen dürfen, doch genau das ist es was wir in grossem Umfang tun und auch im vergangenen Jahr wieder getan haben. Wir nutzen sechs mal so viel Land im Ausland wie uns selbst zur Verfügung steht, nur um unsere enorme Gier nach Geld, noch mehr Luxus und kurzfristigen Befriedigungen zu stillen. Sie müssen sich das so vorstellen, als ob wir als erste in der Reihe vor dem Buffet stehen und vier Teller auf einmal vollmachen, obwohl wir wissen, dass die Menschen am Ende der Reihe dann verhungern müssen. Gleichzeitig ermahnen wir uns in dieser Debatte die Rechnung nicht unseren Kindern zu überlassen. Wie realistisch ist so eine Aussage? Wir verhalten uns buchstäblich asozial und versuchen das mit schönen Worten zu vertuschen. Wir kommen kaum zu den Taten die den drastischen Kurswechsel vollziehen der unseren kleinen Planeten auch für zukünftige Generationen lebenswert macht.

Zum Schluss die Frage an jeden der das bestehende System kritisiert: was ist ihre Alternative? Wir werden erkennen müssen, dass das Märchen des ungezügelten Wachstums der Weltwirtschaft zu Ende ist. Wir können nicht mehr Wachstum erreichen als die Erde zu bieten hat. Wir müssen einen Schritt zurück nehmen und intelligenter in Nachhaltigkeit und eine gesunde Umwelt investieren. Die negativen Auswirkungen unserer Taten müssen berücksichtigt werden. Der Verursacher muss zahlen. Unsere positiven Möglichkeiten, wie z.B. ökologische Landwirtschaft und Recycling, müssen nun gefördert werden. Ein sofortiger Stop der Subventionierung von umweltschädlichen Aktivitäten ist notwendig. Die negativen Folgen bestimmter Produktionsmethoden, wie z.B. der Ausstoss von Treibhausgasen, der Angriff auf die biologische Vielfalt, der Raubbau an der Natur und die Verschwendung von Rohstoffen müssen einen Preis bekommen. Einen Preis den der Produzent und letztlich der Verbraucher zahlt. Diese Krise muss ein Wendepunkt werden.

Weitere Hilfe wird in der Sahelzone in Afrika (Burkina Faso und Tschad) benötigt. Durch die anhaltende Trockenheit besteht ein zunehmender Nahrungsmittelmangel. Hier sehen Sie warum Hilfe notwendig ist: eine ergreifende Fotoreportage über den Hunger in der Sahelzone.

Die Financial Times hat einen aufschlussreichen 'decision tree' erstellt um die Folgen eines Ausstiegs Griechenlands aus der EU zu verdeutlichen. Auf der Website der Financial Times finden sie die 'Chart of the day: The Grexit Decision Tree'.

Noch ein interessanter Artikel: Bill Gates erklärt, warum der Verzehr von Pflanzen gut ist für die Welt!

Bis nächste Woche, Marianne